
Tage 378 - 385 6. Februar 2011 - 13. Februar 2011
Buenos Aires
Buenos Aires (frühere Schreibweise: Buenos Ayres; offiziell Ciudad Autónoma de Buenos Aires/Autonome Stadt Buenos Aires) ist die Hauptstadt und das politische, kulturelle, kommerzielle und industrielle Zentrum Argentiniens. Der Name kommt von einer Schutzheiligen der Seefahrer, Santa Maria del Buen Ayre (span. Heilige Maria des Guten Windes) nach der die Gründer sie benannten, um sich damit für die günstigen Wetterbedingungen auf der Anfahrt zu bedanken.

Die offiziell nur 203 Quadratkilometer große Stadt bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas, dem Gran Buenos Aires mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Sie streckt sich heute rund 68 Kilometer von Nordwest nach Südost und etwa 33 Kilometer von der Küste nach Südwesten aus. Sie wird oft als „Wasserkopf“ Argentiniens bezeichnet, da sich hier fast alle wichtigen Institutionen des Landes befinden und in der Stadt und vor allem in der Umgebung etwa ein Drittel aller Argentinier wohnt. Zudem ist sie als einzige Stadt Argentiniens als "Capital Federal" autonom, also nicht an eine bestimmte Provinz gebunden. Sie ist ein wichtiges kulturelles Zentrum und wurde 2005 durch die Unesco mit dem Titel Stadt des Designs ausgezeichnet.
 Hauptstadt des Tangos
Der Konquistador Juan Díaz de Solís entdeckte 1516 den Río de la Plata, seine Expedition wurde aber durch einen Indianerangriff in der Nähe des heutigen Tigre zu einem blutigen Ende gebracht, bei dem Solís auch selbst umkam.
Buenos Aires wurde am 2. Februar 1536 von Pedro de Mendoza mit dem Namen Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre („Hafen unserer lieben Frau [der Heiligen] Maria des guten Windes“) gegründet. Der Name wurde von Mendozas Kaplan ausgewählt, der ein Verehrer der Virgen de Bonaria (Jungfrau des guten Windes) von Cagliari, Sardinien war. Nach anderer Überlieferung wurde der Name aufgrund der günstigen Winde im Río de la Plata ausgesucht. Der Ort von Mendozas Stadtgründung liegt auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils San Telmo.
Mendoza befehligte etwa 1.600 Mann, die auf 16 Schiffen anlandeten. Da sie erst im Spätsommer ankamen, war es zu spät, um Getreide anzupflanzen. Die lokalen Querandí-Indianer waren Jäger und Sammler und wurden von den Spaniern gezwungen, Essen für Mendozas Truppen zu beschaffen. Sie reagierten daraufhin mit wiederholten Angriffen. Mendozas Siedler mussten 1541 den Ort aufgeben.
An diesen Expeditionen beteiligte sich der Straubinger Patriziersohn Ulrich Schmidl, der zum Chronisten der Ereignisse und frühem Historiker der Stadt wurde. Er gilt bisweilen als einer der Mitbegründer der Stadt.

Wir verbrachten eine Woche in Buenos Aires. Grund für diesen langen Aufenthalt war zum einen die Tatsache, dass BA für uns eine der schönsten Städte auf dieser Erde ist und zum anderen, dass wir unseren geliebten "Harry den Camper" abgeben mussten. Dazu etwas später mehr.
Wir erregten mal wieder Aufsehen, als wir mit unserem Truck am 5 Sterne Hotel Sheraton in BA vorfuhren. Diese Art von Fahrzeug ist man dort nicht gewohnt. Aber wieder zauberten wir ein Lächeln auf die Gesichter der Pagen, die uns mit dem Gepäck halfen. Dies hatten wir so oft vorher schon erlebt, wenn wir in Hotels der gehobenen Klasse übernachtet haben. Man hatte einfach Freude daran, uns auszuquetschen und mit Fragen zu bombardieren.
Wir hatten auf unserem letzten Campground in Villa Gesell bereits angefangen, den Camper auszuräumen und alles was wir mitnehmen wollten, zu verpacken. Trotzdem war noch ein kleiner Rest in BA zu erledigen. Nachdem wir alle unsere Gepäckstücke ausgeladen hatten parkte ich den Truck erstmal auf einem 24 Stunden Parkplatz in der Nähe unseres Hotels.
Danach machten wir uns daran eine unserer Lieblingsstädte neu zu entdecken. Wir waren sehr viel zu Fuss unterwegs, da die Stadt, trotz ihrer Grösse sehr gut zu erlaufen ist. Marissa fühlte sich mal wieder pudelwohl unter so vielen Menschen und endlich gab es auch wieder Shopping Malls zu entdecken.
Buenos Aires ist vielleicht vergleichbar mit Berlin und voller alter und wichtiger Gebäude.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Stadtbild stark verändert worden. Die Plaza de Mayo im östlichen Bereich von Buenos Aires war Ausgangspunkt der ursprünglichen Besiedlung und stellte in Form eines Halbkreises den städtischen Kern dar. Hier steht auch die Hauptkirche der Katholiken in Buenos Aires, die Catedral Metropolitana. Seit den 1950er-Jahren sind außerhalb der Stadt Geschäftszentren und andere Einrichtungen angewachsen. Theater, Hotels, Restaurants sowie Finanz-, Geschäfts- und Regierungsbüros und einige luxuriöse Wohnkomplexe liegen konzentriert nördlich und westlich des Plaza-Gebiets.
Eine der Hauptachsen ist die 1,6 km lange Avenida de Mayo, die von der Casa Rosada (Sitz des Staatspräsidenten) an der Plaza de Mayo zur Plaza del Congreso mit dem Gebäude des Nationalkongresses verläuft. Hier fließt sie dann mit der Avenida Rivadavia zusammen und setzt sich in westliche Richtung über weitere 40 Kilometer fort. Um den Bau der Prachtstraße gab es seinerzeit viele Unstimmigkeiten, erst zwölf Jahre nach der ersten Idee konnte die Avenida eingeweiht werden. Heute sind hier viele architektonisch wichtige Gebäude zu bewundern.
Als "Straße, die niemals schläft", wird die Avenida Corrientes bezeichnet. Sie verläuft in west-östlicher Richtung vom Geschäftszentrum San Nicolás bis Chacarita. Entlang der Straße finden sich viele Theater, darunter das Teatro Ópera, weswegen sie auch als "Broadway von Buenos Aires" angesehen wird.
 Avenida Corrientes mit Blick auf Obelisk
Im Norden von Buenos Aires finden sich Großteile der städtischen Parks, die beiden Rennstrecken und das Polo-Stadion der Stadt sowie Wohnbezirke der Mittel- und Oberschicht. Die nördliche Ausweitung der wohlhabenderen Viertel hat die Grenze des Hauptstadtbezirks überschritten und dehnt sich nach Martínez, Olivos, San Isidro und Vicente López aus.

Weitere bedeutende Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires sind der Friedhof von Recoleta, wo unter anderem Evita Perón begraben liegt.
 Evita´s Unterschrift
 ...und ihr Grab
Wir besuchten ausserdem den Obelisk von Buenos Aires auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt....
 Der Obelisk und....
 ...die Strasse des 9. Juli (Avenida 9 de Julio)
und die Florida-Straße die zum Einkaufen ideal ist. Ganz besonders angetan hat es uns das alte Hafengebiet Puerto Madero mit den restaurierten Speichern und das Künstlerviertel La Boca, das bekannt für seine farbenprächtigen Hausfassaden ist und als einer der Geburtsorte des Tangos gilt.
 Puerto Madero
 La Boca
Die letzte Woche in Argentinien und unserer Reise verging wie am Flug und ehe wir uns versahen, standen wir am Check in des Flughafens. Nun geht es also wieder ins "normale Leben". Aber was ist das überhaupt, das "normale Leben". Wir werden sehen was die Zeit bringt.
Tage 356 - 377
15. Januar 2011 - 5. Februar 2011
San Martin de los Andes - Junin de los Andes - Zapala - Las Grutas - El Condor - Monte Hermoso - Miramar - Mar del Sur - Villa Gesell
Leider wurde es Zeit Abschied vom Argentinischen Seengebiet zu nehmen. Wir machten uns auf den Weg zur Atlantikkueste. Wir sind nun ein Jahr unterwegs und wie Ihr ggf. zwischen den Zeilen lesen koennt, ein wenig reisemuede. Mancheiner wird jetzt sagen: "Muede?" Wie kann man muede sein wenn man ein Jahr Urlaub hat. Nicht einfach zu beschreiben aber ich versuche es einmal. Zu Hause ist man in seiner " Comfort Zone". Jeder Tag ist mehr oder weniger das selbe. Aufstehen, zur Arbeit, danach evtl ins Fitnesstudio oder anderes und dann ein gemuetlicher Abend. Die Arbeit mag stressig sein, aber man weiss was man zu tun hat. Wenn man dann mal in den Urlaub faehrt oder fliegt, braucht man erstmal ein paar Tage um sich zurechtzufinden und um sich zu aklimatisieren. Evtl. verlaeuft man sich auch auf der Suche nach dem Restaurant im Hotel. Wir mussten uns quasi jeden Abend auf der Suche nach dem Restaurant verlaufen. Wir verbrachten fast nie viel Zeit a selben Ort. Daher mussten wir uns staendig neu orientieren. Es strengt an, wenn man jeden Tag unterwegs ist, jeden Abend einen sicheren Uebernachtungsplatz suchen muss. Es strengt an Probleme in einer fremdem Sprache an fremden Orten zu loesen. Es strengt an, das Auto in Werkstaetten zu bringen - die man erst mal finden muss - den meistens unkompetetenten Mechanikern ein technisches Problem in einer fremden Sprache zu erlaeutern. Es strengt an sich mit wichtigtuerischen Polizisten und Grenzbeamten rumzuschlagen. Nach einer Weile sehnt man sich danach einfach auf die Couch zu liegen und sich durch das seichte Abendprogramm zu zappen. Wenn ich lese was ich gerade geschrieben habe, koennte mancheiner auf die Idee kommen, dass wir keinen Spass hatten. Das stimmt natuerlich nicht. Wir hatten eine klasse Zeit aber es wird Zeit das Reisen zumindest mal zu unterbrechen...
Wir hatten also nicht mehr viel Lust auf Sightseeing. Darum beschlossen wir den Sommer in Argentinien zu nutzen und an die Atlantikkueste zu fahren. Das heisst einmal quer durchs Land. Wir starteten in Zapala, wo wir wohl auf dem staubigsten Campingplatz unserer Reise standen. Die Fahrt quer durch Argentinien war lang aber ziemlich langweilig - bis auf den Streik einiger Arbeiter einer Fruchtfirma, die die Strasse blockierten. Wir mussten also einige Zeit warten, bis die Strasse wieder frei war. Man denkt ja immer, dass die Latinos ein heftiges Temperament haben. Ich habe das schon in einem frueheren Bericht (Flug in Kolumbien) geschrieben. Wir haben aber nie jemanden getroffen, der sich ueber etwas beschwert hat. So auch hier. Keiner machte seinem Unmut ueber die Wartezeit Luft. Reifen brannten und die Strasse war mit Reifen und Holz blockiert aber alle standen entspannt an ihren Autos und dranken ihren Mate und unterhielten sich. In Deutschland oder USA haette das sicher anders ausgesehen...
Endlich erreichten wir die Kueste und verbrachten unsere erste Nacht in Las Grutas. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz wo wir es eine Weile aushalten wuerden und wurden in Villa Gesell fuendig
Carlos Gesell, der gemeinsam mit seinem Bruder in Argentinien eine Kinderwagenfabrik betrieb, erfuhr 1931, dass nördlich von Mar del Plata ein zehn Kilometer langer und 1600 Meter breiter Küstenstreifen zum Verkauf stand. Der Preis war äußerst günstig, da Wanderdünen und Flugsand das schlauchförmige Gebiet prägten. Carlos Gesell hatte kurz zuvor das belgische Seebad Oostende besucht und stellte begeistert eine gewisse Ähnlichkeit der landschaftlichen Verhältnisse fest.
Als Kind und Jugendlicher hatte er durch das bewegte Leben seines Vaters Silvio Gesell verschiedene Formen menschlichen Zusammenlebens kennengelernt, unter anderem eine Landkommune in der Schweiz sowie die von Vegetarismus und lebensreformerischen Ideen geprägte Kolonie Eden bei Potsdam. Impulse, die er dort empfangen hatte, führten zu seinem Lebenstraum, in Argentinien eine alternative Arbeits- und Lebensgemeinschaft zu verwirklichen. Der Küstenstreifen am Atlantik schien ihm dafür die geeigneten Voraussetzungen zu bieten.
Im Frühjahr 1932 begann Carlos Gesell gegen den Widerstand seines Bruders mit der Kultivierung der Dünenlandschaft. Er erbaute ein Holzhaus und versuchte, in der Dünenlandschaft Pinien und Akazien zu pflanzen. Ein gewaltiger Sandsturm begrub diese Anfänge.
Gesell suchte Rat in Deutschland. Ein Agraringenieur, der auf den ostfriesischen Inseln erfolgreich Aufforstungen durchgeführt hatte, beriet ihn. Aber auch ein weiterer Pflanzversuch scheiterte. Gesell kehrte nach Deutschland zurück und überwarf sich mit seinem Bruder. Er ließ sich seinen Geschäftsanteil auszahlen und entwickelte einen neuen Plan, die Dünenlandschaft der Küstenregion zu bepflanzen. Er kaufte Strandhafer in Deutschland und pflanzte ihn nach seiner Heimkehr zunächst auf einem Versuchsfeld an. Erste Erfolge stellten sich ein. Die Dünenlandschaft gewann an Stabilität. Er versuchte im Anschluss erneut, Bäume zu pflanzen - mit Erfolg. Die Wanderdünen wurden stabilisiert. Dieses Engagement trug Carlos Gesell den Beinamen Verrückter der Dünen ein.
Die permanente Geldknappheit zwang Gesell, sich nach neuen Einkünften umzusehen. Er versuchte es mit einer Schweine- und Ziegenzucht - ohne Erfolg. Als 1940 einige Hochseeangler aus Buenos Aires zufällig an seiner Küste landeten und dort den überaus großen Fischreichtum entdeckten, entwickelte Gesell die Idee, seinen Landbesitz für den Tourismus zu öffnen. Er baute eine Straße parallel zur Küste, den Bulevar Silvio Gesell, die heutige Haupt- und Geschäftsstraße Villa Gesells. Bereits 1941 wurde das erste Gästehaus, die Pension Sommerschwalbe, gebaut. In einem Zeitungsinserat warb Carlos erfolgreich für sein Paradies der Einsamkeit und nannte es Villa Silvio Gesell.
Es folgten erste Siedler, die Grundstücke pachteten und darauf Häuser erbauten. Geschäfte entstanden und eine Schule wurde gegründet. den Lehrer bezahlte Carlos Gesell aus eigener Tasche.
In der 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Villa Gesell an das argentinische Verkehrsnetz angeschlossen. Im Ort herrschte Rauchverbot. Alkohol war nur an Festtagen erlaubt und das Glücksspiel generell verboten.
In den 60er Jahren des 20. Jahrhundert entdeckten Künstler Villa Gesell. Maler, Musiker, Fotografen prägten das Ortsbild. Eine Mole, die weit hinaus ins Meer reicht, wurde erbaut. Die Stadt wurde in den 1960er und 1970er Jahren vor allem bei Campern und jungen Leuten beliebt, bis immer mehr Hotels und Vergnügungsstätten erbaut wurde und somit der Massentourismus Einzug hielt.
Carlos Gesell starb 1977. 1971 wurde er von dem deutschen Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Im Januar 1952 wurde Villa Gesell von Che Guevara besucht als er sich auf seiner Reise durch Amerika befand. Sein Buch The Motorcycle Diaries erzaehlen davon.
Wir verbrachten zwei Wochen in Gesell und obwohl wir beide noch nie an der italienischen Adriakueste waren, waren wir uns sicher dass es dort, in Rimini oder sonstwo, auch so sein muss. Fleischbeschau am Strand vom feinsten. Immerhin haben die argentinischen Frauen etwas Anstand und laufen nicht in Strings und oben ohne rum - wenn sie es sich nicht leisten koennen.... Wir genossen die Zeit am Strand, die Sonne, das Meer.
Naechster Stop: Buenos Aires
Tage 337 - 355 27. Dezember 2010 - 14. Januar 2011
Ushuaia - Rio Grande - Pali Aike - Puerto San Julian - Caleta Olivia - Camarones - Gaiman - El Bolson - San Carlos de Bariloche - Villa La Angostura
Am 26. Dezember sagten wir "Adios" zu Olaf, Christiane und Wim. Die drei machten sich auf den Weg in den Norden, da sie Ende Januar zurueck nach Deutschland fliegen werden. Wir verbrachten noch einige Tage in Ushuaia bevor auch wir uns langsam aber sicher nach Norden bewegten. Die letzten Tage des alten Jahres und die ersten des neuen waren gefuellt mit "Kilometerfressen"
Unser erster Halt nach Ushuaia war Rio Grande. Auf unserem Weg nach Ushuaia verbrachten wir schon eine Nacht dort und wir uebernachteten wieder auf dem selbem Platz. .
Am letzten Tag des Jahres 2010 ueberquerten wir die Grenze nach Chile. Feuerland, das zu Argentinien gehoert ist durch Chile vom Rest des Landes abgetrennt und so fuehrt kein Weg an mehrfachen Grenzuebergaengen vorbei. Wir entschieden uns, die Silvesternacht im Nationalpark Pali Aike zu verbringen. Normalerweise denkt man ja bei Nationalparks an viel Gruen, den ein oder anderen See und Berge. Nicht hier. Pali Aike ist im Prinzip eine Wuestenlandschaft mit ein paar Huegeln, die vor dem Wind schuetzen und jeder Menge Guanacos, dem Ahnen der Llamas. Silvester verbrachten wir ganz allein im Nichts und ausser ein paar Guanacos, die durch unser Camp rannten war niemand da, mit dem wir haetten anstossen koennen. Diese Nacht vermissten wir die grossartigen Silvesterparties, die unsere Freunde Michael und Michaela immer veranstalten - dieses Jahr sogar mit Eisbar. Es war komisch diese letzte Nacht des Jahres so einsam zu verbringen. Sogar der mitgebrachte Champagner schmeckte nicht so doll.
Das neue Jahr begann wie das alte aufgehoert hatte: W I N D I G und kuehl. Mittlerweile haben wir wirklich genug von dem Wind, der so typisch fuer den patagonischen Sommer ist. Wir reden hier nicht von leichten Brisen, sondern von konstantem Westwind, der z.T. mit ueber 100 km/H weht. Camping in solchen Winden ist eine Sache. Fahren eine ganz andere und ein riesen “pain in the ass” wie wir sagen wuerden. Es ist nicht wirklich spassig wenn ein fast 5 Tonnen Fahrzeug auf der Strasse huepft wie ein Fohlen. Es ist noch schlimmer, wenn man im Rueckspiegel beobachten kann, wie der Wind den Camper auf der Ladeflaeche anhebt. Und noch eine Spur interessanter wird es wenn der Wind einen mal eben auf die Gegenfahrbahn, in den Weg eines 18 Tonners drueckt.
Wind hin oder her, wir zogen weiter. Nach Wochen voller schoener Patagonischer Landschaften traf uns die Pampa wie ein Schock. Tausende von Kilometer NICHTS. Halt, das waere falsch. Es gab da schon etwas. Staub, ein paar Buesche, viele Guanacos und noch viel mehr Schafe. Wir versuchten daher im Prinzip nur dem “Landschaftsalptraum” zu entkommen und jagten unseren “Harry” ueber die Strassen.
Unseren ersten laengeren Halt (eineinhalb Tage) legten wir in Camarones ein. Camarones ist Ausgangspunkt fuer einen Besuch der "Bahia dos Cabos". Bahia dos Cabos ist eine der wichtigsten Kolonien des Magellan Pinguins.

Der Magellan-Pinguin ist etwa 70 cm lang und wiegt vier Kilogramm. Der Kopf und die Oberseite von Rumpf, Flügel und Schwanz sind schwarz. Die Unterseite des Rumpfes und der Flügel ist weiß, hier befinden sich jedoch wenige unregelmäßig verteilte schwarze Punkte. Ein weißer Streifen läuft von der Kehle in einem geschwungenen Bogen über den Hals und hinter der Wange zum Überaugenstreif bis zur Schnabelwurzel. Die weiße Umrandung des Auges vereinigt sich mit diesem Überaugenstreif. Von der Schnabelwurzel aus zieht ein kleiner weißer Tropfen bis auf Augenhöhe. Vorne über dem Auge bis zur Schnabelwurzel ist das Gefieder leicht rosafarben angehaucht. Von der Brust zieht sich ein schwarzes Band an den Flanken bis zu den Beinen, vor denen es sich verjüngt und deutlich vor den Füßen spitz zulaufend endet. Die Iris ist dunkelrot, die Beine sind hautfarben mit schwarzen Hautschuppen auf der Oberseite. Der Schnabel ist größtenteils schwarz und unregelmäßig hornfarben gefärbt. Weibchen sind unwesentlich kleiner als Männchen und unterscheiden sich nicht im Gefieder. Das zweite Dunengefieder der Jungvögel ist graubraun und auf Brust, Bauch und Kehle weiß. Um die Augen und auf den Wangen befindet sich ein heller Bereich, der mit der weißen Kehle verbunden ist. Flügge Jungvögel ähneln den Altvögeln sehr
Magellan Pinguine sind monogam. Sie bleiben ein Leben lang bei Ihrem Partner und ziehen jedes Jahr gemeinsam die Jungvoegel gross.
Marissa konnte nicht genug bekommen von den Pinguinen, die so lustig um uns herum watschelten. Wir verbrachten daher einige Zeit hier bevor wir uns weiter auf den Weg nach Gaiman machten, wo wir eine Nacht verbrachten um dann weiter nach El Bolson zu fahren. Wir fuhren einmal quer durchs Land und irgendwann wurde die Landschaft endlich wieder aufregender und schoener. El Bolson liegt umrandet von einigen Bergen in einem schoenen gruenen Tal. Die ersten Einwohner nach den Ureinwohnern waren deutsche Einwanderer, die den Weg ueber Chile hierher gefunden hatten. In den siebziger Jahren bevoelkerten Hippies El Bolson und sind heute noch fuer Kunsthandwerk, Marmelade, Bier und andere Leckereien im Ort verantwortlich. El Bolson ist ein grossartiger Ort um ein ein paar Tage Pause vom Fahren zu machen, noch dazu wenn man auf einem super Campingplatz wie der “Aldea Suiza” stehen kann. Die Inhaber von Aldea Suiza sind vor 27 Jahren von der Schweiz nach Argentinien ausgewandert.
Die Landschaft um El Bolson herum ist wunderschoen. Nicht so oede und langweilig wie die Pampa entlang der Ruta 3. Ich tat diese Meinung ungefragt kund, als wir uns mit einem Argentinischen Paar unterhielten. Er war ganz und gar anderer Meinung, da er in dieser “oeden Gegend” geboren und aufgewachsen war. Oops...ich und mein vorlauter Mund. Er bestand darauf, dass es durchaus sehr reizvolle Gegenden in der Ecke gaebe. Wir unterhielten uns eine Weile und als die beiden gingen verabschiedeten sie sich mit Kuesschen von uns. Das ist etwas was wir an den Argentiniern moegen. Sie sind so warm und herzlich. Man stelle sich nur mal vor dass man sich im Schwobalaendle mit Kuesschen von Fremden verabschiedet...
Wir verbrachten noch einige Zeit in Lago Puelo National Park, der eine Flaeche von 276.74 km² hat. Wir wanderten und fuhren mit Kayaks ueber den See.

Der Nationalpark Lago Puelo liegt im Nordwesten der Provinz Chubut, Patagonien. Mit einer Fläche von 27.674 ha wurde er 1971 gegründet, um die wunderschöne Landschaft mit valdivianischem Regenwald zu schützen. Der geschützte Bereich ist nach dem Puelo See benannt und gehört zur Hochanden-Ökoregion. Das Klima ist daher kalt und feucht, und es schneit im Winter.
Die Flüsse der Region weisen einen hohen Grad an Gletscher-Sedimenten auf und geben dem Puelo See seine blaue Farbe. Neben der atemberaubenden Landschaft können auch Pudus, Rotfüchse, Pumas, patagonische Drosseln oder Barsche beobachtet werden.
Nach einigen Tagen in El Bolson fuhren wir 140 km nach San Carlos de Bariloche. Wir verbrachten schon waehrend unseres ersten Suedamerika Trips einige Tage hier und waren gespannt ob und wie sich die Stadt veraendert hat. Die Antwort lautet “Ja” sie hat sich veraendert. Irgendwie nicht mehr so “knuffig” wie vor sechs Jahren. Aber was solls, die Landschaft drumherum ist nachwievor traumhaft.

Wir mieteten Fahrraeder und machten eine Tour um den See hier - einmal im Jahr radeln macht sich am Tag darauf als extremer Muskelkater bemerkbar. Schoen war es trotzdem. An unserem letzten Tag in Bariloche kauften wir noch eine Ladung Schokolade, fuer die die Stadt beruehmt ist. Am 14.01. fuhren wir ein paar Kilometer weiter nach Villa La Angostura.
Tage 327 - 336 17. Dezember 2010 - 26. Dezember 2010
Rio Grande - Tolhuin - Ushuaia, Feuerland
Nochmal eine Grenzueberquerung - die letzte fuer dieses Jahr, Wir trafen Olaf und Christiane an der Faehre ueber die Magellan Strasse. Wenn man nach Feuerland will, fuehrt kein Weg an einer Faehre vorbei. Die Ueberfahrt war mit 20 min sehr kurz und wir konnten unseren Weg auf der Strasse schnell fortsetzen.
Wir ueberquerten die Grenze am spaeten Nachmittag und fuhren dann noch eine weiter Stunde nach Rio Grande. Das ist eine der groessten Ortschaften in Feuerland und wir fanden einen Campingplatz am Wasser. Die Argentinier lieben es zu feiern - je spaeter und lauter desto besser. So wurden alle von lauter Musik wachgehalten - alle ausser mir. Ich schlief wie ein Baby.
Wir waren unserem Ziel Ushuaia schon sehr nahe und hatten noch etwas Zeit bis Weihnachten, so dass wir noch einen Zwischenstop in Tolhuin, 100km noerdlich von Ushuaia, einlegten. Wir parkten dort am Fagnano See.
Der See liegt auf der Hauptinsel des Feuerland-Archipels. Der 600 km² große See erstreckt sich in ost-westlicher Richtung über 104 km, davon gehören 90,5 km (bzw. 580 km²) zu Argentiniens Provinz Tierra del Fuego, und nur 13,5 km (bzw. 20 km²) zur chilenischen Region Región de Magallanes y de la Antártica Chilena. Der See hat eine Tiefe von bis zu 204 m.

Hier wird es immer spaeter dunkel. Mittlerweile muss man schon bis 23.20 Uhr warten bis es dunkel wird. Ziemlich ungewohnt das ganze, zumal es auch um 4 Uhr schon wieder hell wird.
Jetzt waren es nur noch etwas ueber 100km nach Ushuaia und wir liessen uns Zeit mit diesen letzten Kilometern. Unterwegs hielten wir noch an einer “Husky Farm an. Diese Farm zuechtet und trainiert Huskies fuer Hundeschlittenwettbewerbe weltweit. Momentan haben 120 Huskies ihr zuhause dort. Da es keinen Schnee mehr gab, drehten Nicole, Marissa, Christiane und Wim eine Runde mit einem Wagen, der von 8 Huskies gezogen wurde. Die vier waren hell begeistert davon. Vielleicht noch mehr begeistert waren die Hunde, die total ausflippten, als es darum ging loszurennen.
Frueh am Abend erreichten wir dann endlich Ushuaia. Was fuer eine Leistunng: New York - Ushuaia in knapp 11 Monaten. Wir fuehlten uns richtig gut.

Unsere ersten beiden Naechte in Ushuaia verbrachten wir auf dem Andino Campground. Im Winter kann man hier Ski fahren. Jetzt im Sommer hat man immerhin noch einen schoenen Blick auf den Beagle Canal. Mit Weihnachten im Anmarsch fuellte sich der Campground immer mehr mit Campern. Die Mehrzahl der Reisenden kam aus Deutschland. Wir fuehlten uns ein wenig wie in einer deutschen Kolonie.
Nach zwei Tagen fuhren wir zur Estancia Haberton, einer der aeltesten Farmen hier in Feuerland. Auf dem 20000 Hektar grossen Gelaende darf man auch campen, was wir fuer eine Nacht taten, bevor wir zum Tierra del Fuego Nationalpark weiterfuhren. Dort verbrachten wir eine weitere Nacht bevor wir zurueck nach Ushuaia fuhren um in unserem Hotel einzuchecken. Was fuer ein Bild - wir fuhren standesgemaess mit den zwei groessten Fahrzeugen an dem 5 Sterne Hotel vor und beschlagnahmten mit unseren zwei Campern die beiden Parkplaetze rechts und links neben dem Haupteingang. Das Hotel Los Cauquenes (www.loscauquenes.com) ist das einzige 5 Sterne Haus in Ushuaia und wir waren gluecklich, dass wir die beiden letzten Zimmer buchen konnten. Hier gab es alles was das Herz begehrt: Spa, Pool, Fitnessraum, Sauna,schoene Zimmer und einen wunderschoenen Ausblick auf den Beagle Canal. Wir reservierten ausserdem das Weihnachtsessen am 24. Dezember. Natuerlich wollten wir dies in Ruhe ohne “quengligen” Kinder geniessen, so scheuchten wir Marissa und Wim durch Spielzimmer und Pool ohne ihnen den sonst “so wichtigen” Mittagsschlaf zu goennen. So vielen die beiden auch puenktlich kurz vor Beginn des Abendessens um 20 Uhr todmuede in ihre Betten.
 Hotel "Los Cauquenes"
Das Weihnachtsessen dauerte knapp 4 Stunden und bestand aus 7 Gaengen. Alles, ohne Ausnahme schmeckte sehr lecker und wir brauchten einen Tequilla um die Verdauung etwas zu beschleunigen.
Die restliche Zeit verbrachten wir faulenzen. Wir genossen unsere Zimmer und den schoenen Pool. Dazu leckeren Kuchen und Kaffee am ersten Weihnachtstag und wir hatten schon verdraengt, dass wir bald wieder in unsere engen Camper “muessen”.
Am 26. Dezember hiess es Abschied nehmen - vom Hotel und von Olaf, Christiane und Wim. Die drei haben einen Flug ab Buenos Aires am 26.1.2011 und muessen sich ein wenig beeilen. Wir hatten eine sehr schoene Zeit zusammen und freuen uns auf ein Wiedersehen - wo immer das auch sein mag. Und Olaf - falls Du das liest: Ich schulde Dir noch 130 Pesos....
Nachdem auch wir ausgecheckt hatten, fuhren wir zurueck zum Campingplatz wo wir mit Sharan und John verabredet waren. Die beiden sind mit dem Motorrad unterwegs und wir sie auf unserer Ueberfahrt von Panama nach Kolumbien kennengelernt. Auch die beiden sind mehr oder weniger auf dem Heimweg. Mitte Januar wollen sie in Houston, Texas sein, da John eine Stelle in Saudi Arabien angenommen hat und man sich um den Umzug kuemmern muss.
Ihr koennt es zwischen den Zeilen lesen. Ushuaia war ein grosses Ziel fuer uns und so happy wir auch waren es puenktlich erreicht zu haben, so traurig sind wir nun auch, da es heisst Abschied von Leuten zu nehmen, die einen auf Teilen der Reise begleitet haben und weil es auch fuer uns das baldige Ende unserer Reise bedeutet. Es ist noch zu frueh ein Resume zu ziehen aber wenn man mit einem weinenden Auge Abschied nimmt und traurig ist dass man selbst nur noch kurze Zeit “on the road” hat, dann kann man wohl sagen dass sich all das Geld, die Muehen, die Unbequemlichkeiten und Gefahren die man auf sich genommen hat gelohnt haben. Es wird sicher nicht unsere letzte Reise gewesen sein.
Wir werden noch ein paar Tage hier in Ushuaia und Umgebung verbringen und uns dann auf den Weg nach Norden machen.
Info zu Feuerland:
Feuerland ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist Feuerland durch die Magellanstraße getrennt. Die Inselgruppe hat eine Landfläche von 73.746 km², davon die Hauptinsel Isla Grande de Tierra del Fuego 47.000 km² und rund 251.000 Einwohner (Stand: 2006). Im östlichen, argentinischen Teil leben etwa 130.000 Menschen, im westlichen, chilenischen Teil etwa 7.000 Menschen. Feuerland wurde 1881 durch den Meridian 68° 36' westlicher Länge in einen östlichen Teil für Argentinien (heute die Provinz Tierra del Fuego) und einen westlichen Teil für Chile (heute die Magallanes) aufgeteilt.
Das Gebirge Cordillera Darwin bildet mit fast 2.500 Meter hohen Bergen den letzten großen Höhenzug der Anden in Südamerika. Häufig liegt südlich der Spitze von Südamerika ein meteorologisches Tief. Dieses Tiefdruckgebiet hat für Feuerland westlichen Wind zur Folge, der in den unteren Luftschichten jedoch durch die Berge stark abgelenkt und abgeschwächt wird. Das Klima ist maritim ausgeglichen über das ganze Jahr relativ kalt und feucht. Das Wetter kann aber im Tagesverlauf sehr unbeständig sein und häufig wehen starke Winde, die oft sogar zu heftigen Stürmen anwachsen.
Feuerland liegt in der kühl-gemäßigten Zone mit maritimem Klima auf der südlichen Hemisphäre. Das lokale Klima wird von starken Unterschieden bestimmt. Im Westen werden Regenmengen von bis zu 6.000 mm/Jahr gemessen, im Osten dagegen nur etwa 250 mm/Jahr. Die Schwankungsbreite der Niederschläge ermöglicht deshalb sowohl Regenwald als auch Halbwüsten.
Die Temperatur zeigt nur geringe jahreszeitliche Schwankungen und liegt in Ushuaia bei 5,6 °C, was nur unwesentlich wärmer ist als in Moskau.
Die bedeutendsten Orte auf der Isla Grande de Tierra del Fuego sind, im argentinischen Teil, Río Grande (ca. 60.000 Einwohner) und Ushuaia (ca. 70.000 Einwohner - Ergebnisse der Volkszählung vom 27.10.2010 stehen noch aus - es werden aber ca. 80.000 geschätzt), im chilenischen Teil Porvenir (ca. 5.000 Einwohner).
Tage 319 - 325 9. Dezember 2010 - 15. Dezember 2010
Los Antiguos - Bajo Caracoles - El Chalten/Fitz Roy - Perito Moreno Gletscher/El Calafate
Wir baten Franziska aus Berlin an, (siehe letzter Bericht aus Argentinien) sie ein Stueck mitzunehmen, was sie auch dankbar annahm.
Kurz nach Chile Chico ist die Grenze nach Argentinien und wir waren gespannt, ob der unbezahlte Strafzettel aus Mendoza im Computersystem der Grenzer auftauchen wuerde. Zum Glueck war das nicht der Fall und wir konnten “unbehelligt” einreisen. Kurz nach der Grenze beginnt die legendaere Ruta 40 - die argentinische Antwort auf die Carretera Austral. Stellt Euch hunderte Kilometer Schotter- und Waschbrettpiste vor, die durch das nichts fuehren. “Nichts” stimmt nicht ganz. Es gibt eine Menge Schafe und flaches Land mit vereinzelten Bueschen. Fuer richtige Baeume ist der Wind zu stark.
Wir verbrachten die Nacht in Bajo Caracoles. Das “Kaff” mit 31 Einwohnern erinnerte stark an eine Kleinstadt aus einem Western. Staub, ein paar Haeuse, eine Tankstelle (im Film waere das der Schmied) ein Hotel und eine Bar neben der Tankstelle und noch etwas mehr Staub.
Wir parkten hinter ein paar Baeumen um dem staerksten Wind zu entfliehen. Ich lief dann zur Tankstelle um zu fragen ob sie Diesel haetten und wann morgens geoffnet wird. Es fuehlte sich etwas an wie in besagtem Western Film: Ein fremder Cowboy betritt den Saloon. Die Schwingtueren oeffnen und schliessen sich. Ein Barkeeper. Drei Banditen (in meinem Fall LKW Fahrer, die dringend eine Dusche und Rasur benoetigen) sitzen an der Bar. Wiskey und Bier auf dem Tresen. Stille. Alle Augen auf mich. Der Barkeeper spuckt seinen Kautabak aus und sagt “Diga me” - sprich mit mir. Ich frage was ich wissen will und bekomme die Antwort die ich hoeren will und verlasse die Bar, um zurueck zu meinem Pferd, ahm Camper, zu gehn. Die Banditen kehren zu ihrer Unterhaltung bezueglich des Postzugs zurueck.....
Der Camper wurde die ganze Nacht von dem starken Wind durchgeschuettelt. Es fuehlte sich an wie auf einem Schiff. Es gab keinen Grund laenger als noetig zu bleiben, so fuhren wir frueh am naechsten Morgen weiter. Wir wollten nach El Chalten und zum beruehmten Fitz Roy Gebirge und hatten eine Menge Schotterpiste vor uns. Franziska, die Tramperin aus Berlin, kam mit uns mit.
El Chaltén ist ein kleines Dorf in Patagonien im Süden von Argentinien. Der Ort wurde am 12. Oktober 1985 gegründet und gehört damit zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens. Das Dorf El Chaltén bietet den direktesten Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy. Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén. Das bedeutet in ihrer Sprache "Vulkan" (der Fitz Roy ist aber kein Vulkan).

Das Dorf beherbergt im Winter nur etwa 100 Einwohner. Es verfügt über keine Industrie und kaum Landwirtschaft, erlebt durch den zunehmenden Tourismus rund um die ausgedehnten Trekking- und Bergsteiggebiete nahe dem Fitz Roy aber einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Die Gründung wurde durch die argentinische Regierung maßgeblich wegen Grenzstreitigkeiten mit Chile vorangetrieben. Dadurch sollte der Anspruch auf das Territorium untermauert werden. Dies sorgt anhaltend für Polemik, da beide Länder vertraglich festsetzten, die Zugehörigkeit dieser Region erst in näherer Zukunft zu definieren.
Der Fitz ist ein 3.406 Meter hoher Granitberg und eine der Hauptattraktionen im Nationalpark Los Glaciares. Aufgrund seiner Form und der extremen, unberechenbaren Wetterverhältnisse gilt der Berg auch heute noch als extrem schwer zu besteigen. Die meisten Versuche zur Besteigung bleiben erfolglos.
In El Chalten trafen wir auch wieder auf Olaf, Christiane und Wim, die drei, die wir in Coihaique kennengelernt hatten. Wir quartierten uns gemeinsam auf einem der Campingplaetze im Ort ein und genossen einen langen Abend zusammen draussen in der Abendsonne. Hier wird es erst gegen 22.30 Uhr dunkel.

Man besucht El Chalten um zu wandern. Also wanderten auch wir zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir Fitz Roy besonders gut sehen konnten. Nach zwei Naechten in El Chalten fuhren wir weiter nach El Calafate und dem Los Glaciares Nationalpark
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde am Standort des heutigen Calafate ein Versorgungspunkt für die Wolltransporte von den umliegenden Estancias aus eingerichtet. 1927 wurde der Ort offiziell von der argentinischen Regierung gegründet, um die Besiedlung der Region voranzutreiben.
Der Aufstieg von Calafate begann 1943 mit der Einrichtung der Verwaltung des Nationalparks Los Glaciares (1946 fertiggestellt). Die Parkverwaltung war lange Zeit die wichtigste Institution der zunächst nur etwa 100 Einwohner zählenden Ortschaft, sie kümmerte sich um die Stromversorgung, den Straßenbau sowie die Einrichtung des ersten Hotels im Dorf. In den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte der Ort dagegen eine Eigendynamik, als der Tourismus auch in von den Hauptballungszentren Argentiniens weiter entfernten Regionen populär wurde, was die Anzahl der Hotels und Gastronomieeinrichtungen sowie die Einwohnerzahl besonders seit den 1980er-Jahren sprunghaft ansteigen ließ. Das Stadtbild hat sich entsprechend gewandelt: Von einem staubigen Ort zu einer hübsch aussehenden Stadt mit abwechslungsreichen Holzhäusern an gepflasterten Straßen. Die Hänge mit Aussicht auf den See werden großflächig bebaut.
Die erste Nacht verbrachten wir an einem der schoensten Campingplaetze in Argentinien - Lago Roca. Direkt im Nationalpark an einem See gelegen. Hier lernten wir auch Bernhard aus Nuernberg kennen, der sich uns fuer 3 Tage anschloss.
Am naechsten Morgen besuchten wir den Perito Moreno Gletscher.Bei diesem Gletscher handelt es sich um die Hauptsehenswürdigkeit des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks Los Glaciares.

Eine Besonderheit des Perito Moreno ist, dass er einer der wenigen bekannten Gletscher außerhalb der Antarktis und Grönlands ist, der noch kontinuierlich wächst. Das faszinierende am Perito Moreno ist zum einen seine Groesse. Zum anderen die Tatsache dass man bis auf wenige Meter an ihn hinlaufen kann. Wir verbrachten einige Stunden am Gletscher und bestaunten das riesige Eisfeld.
Der Gletscher hat eine Flaeche von 250 qkm, ist 30km lang, 5km breit und die Eisdicke betraegt im Schnitt rund 75m
Nach zwei Naechten in El Calafate machten wir uns wieder einmal auf den Weg nach Chile, wo wir Olaf und Christiane in zwei Tagen am Torres del Paine Nationalpark treffen sollten.
31. Oktober 2010 - 14. November 2010 Tage 280 - 294
Purmamarca - Salta - Cafayate - Villa General Belgrano - Mendoza - Portreillos
Wir machten uns also auf den Weg von San Pedro de Atacama um ueber dem Paso de Jama nach Argentinien zu kommen. Wir verbrachten einige Tage in San Pedro, das auf ueber 2000 m liegt, um uns ein klein wenig auf die Hoehe des Passes einzustellen, auf dem es auf ueber 4800m geht. Man geht eigentlich davon aus, dass es auf solchen Bergstrassen nur so vor Serpentinen oder anderen Kurven wimmelt. Nicht hier. Im Prinzip geht es immer geradeaus den Berg hinauf. Das hoert sich erstmal ziemlich langweilig an. Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall, da die es entlang der Strecke einiges zu sehen gibt. Hohe z.T. schneebedeckte Berge, farbige Lagunen mit Flamingos und interessante Steinformationen. Wir waren bisher mit unserem Fahrzeug noch nicht auf solchen Hoehen und ich war mir nicht sicher wie der alte "Harry" diese Herausforderung wegstecken wuerde. Wie bisher immer lies er uns nicht im Stich. Er "ruselte" zwar immer staerker, je hoeher wir fuhren aber lies sich die Anstrengung und den wenigen Sauerstoff eigentlich kaum anmerken. Als wir dann auf ueber 4800m waren, verdunkelten wir die Sonne und wir entschuldigen uns bei den Motorradfahrern, die hinter uns fuhren fuer den dunkelschwarzen Qualm aus unserem Auspuff.
Eigentlich hatten wir vor, an diesem Tag bis nach Salta zu fahren. Leider bekam ich im Laufe des Tages, wohl auf Grund der Hoehe, starke Kopfschmerzen, so dass wir in Purmamarca anhielten uns uebernachteten.
 Purmamarca war bereits ein alter Rastplatz auf dem Camino del Inca, längst bevor die Spanier kamen. Die spanische Ortsgründung erfolgte im 17. Jahrhundert. Sie registrierten ihn unter dem Namen, wie sie ihn von den Maisbauern der Gegend überliefert bekamen. Auf Quechua bedeutet der Name Pumamarca „Dorf des Puma“, auf Aymara „Dorf der unberührten Erde“. Es gibt aber auch Stimmen, die ihn mit seiner Funktion als Tor zur Puna in Verbindung bringen. Seit 1975 steht Purmamarca als „Lugar Histórico“ unter Denkmalschutz. Am nördlichen Ortsrand fließt der Río Purmamarca vorbei und im Süden erblickt man das Panorama farbiger Bergformationen, für das Purmamarca bekannt geworden ist. Die Landschaft nach der Grenze erinnerte uns zunaechst an die Baja California in Mexico. Viele Kakteen und Felsen. Dies aenderte sich jedoch je weiter wir ins Landesinnere von Argentinien fuhren.
Am naechsten Tag ging es weiter nach Salta. Wir wollten von dort aus den bekannten "Zug in die Wolken" (Tren a las Nubes) fahren. Leider sollte es nicht so sein. Der einzige Campingplatz in Salta war wegen Umbauarbeiten geschlossen und wir bezogen Camp in einiger Entfernung zur Stadt. Das Problem war nun, dass der Zug um 7 Uhr morgens losfaehrt und um 24 Uhr zurueck kommt. Es gibt zwar einige Parkplaetze in Salta, die jedoch alle eine sehr niedrige Einfahrt haben. Es gab also keine Moeglichkeit fuer uns, unseren Camper sicher in der Naehe von Salta oder direkt in der Stadt stehen zu lassen, waehrend wir den Zug nahmen. Aus diesem Grund liesen wir diesen Programmpunkt ausfallen und besichtigten einfach ein wenig die Stadt. Salta ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordwesten Argentiniens. Sie liegt im Valle de Lerma an den Ausläufern der Anden. Die Stadt ist berühmt für ihre alte spanische Kolonialarchitektur in der Altstadt. Die Stadt hat heute etwa 460.000 Einwohner und ist somit die achtgrößte Stadt Argentiniens.
 Salta wurde am 16. April 1582 durch Don Hernando de Lerma gegründet. Der ursprüngliche Name der Stadt lautete: Ciudad de Lerma en el valle de Salta. General Manuel Belgrano errang hier 1812 während des argentinischen Unabhängigkeitskrieges von 1810-1818 seinen ersten Sieg gegen die Spanier.
Von Salta ging es weiter nach Cafayate, eine Stadt die Hauptsaechlich fuer ihren Weinbau bekannt ist. Wir uebernachteten auf einem staubigen Campingplatz und besuchten die Stadt sowie die umliegenden Felsformationen (u.a. ein Frosch) bevor wir weiter nach Villa General Belgrano fuhren.
 Diese Fahr war die bisher laengste auf unserer Tour. Ueber 850 km ist die Entfernung von Cafayate nach Belgrano. Aber wir nutzten die immer laenger werdenden Tage aus, um noch vor Dunkelheit (wenn auch nur knapp) am Ziel anzukommen. Je weiter suedlich wir kommen, desto spaeter wird es dunkel. Hier daemmert es gegen 20.30 Uhr.
Villa General Belgrano ist eine Kleinstadt etwa 75 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Córdoba und hat etwa 6.000 Einwohner.Sie wird vornehmlich von Nachkommen deutscher, Schweizer und norditalienischer Einwanderer bewohnt - unter anderem von Überlebenden des im Zweiten Weltkrieg in Argentinien versenkten deutschen Kriegsschiffes Graf Spee - und gilt deshalb als „alpine Enklave“ in Argentinien.
 Besonders beliebt sind die Feste: das Bierfest (Fiesta de la Cerveza), das dem Münchner Oktoberfest nachempfunden ist, das Fest der Wiener Torten (Fiesta de la Masa Vienesa) und das Schokoladenfest. Im Zentrum findet man viele Gebäude und Wohnhäuser, die der alpinen Architektur nachempfunden sind. Vereinzelt ist auch die deutsche Sprache noch zu hören, dies geht aber leider immer mehr verloren.
Wir parkten auf dem Campingplatz von Ralf und Bettina, zwei Nordlichtern aus Hamburg, die es vor 16 Jahren "per Zufall und nur mit einer Badehose im Gepaeck" nach Argentinien verschlagen hat. Da die beiden im argentinischen Winter hier ankamen, hatten sie leider keine Verwendung fuer die Badehose. Wir blieben hier eine Woche, da wir die Hoffnung hatten, dass der deutschsprachige Automechaniker im Ort unser Problem mit der Elektrik beheben koennte. Leider war dies nicht der Fall. Wir fuehlten uns aber ziemlich wohl in Belgrano, was zum grossen Teil an Ralf und Bettina, aber auch an der netten Umgebung lag. Ausser uns waren noch andere Reisende auf dem Campingplatz - der Renterclub aus Deutschland. Alle wesentlich aelter als wir und obwohl wir auf unser Reise bisher mit allen anderen Reisenden - egal in welchem Alter - sehr gut klar kamen, war dies hier nicht der Fall. Nicht dass das uns Kopfzerbrechen bereitet haette. Es war nur komisch. Die einzige, mit der wir uns gerne unterhielten - vor allem Marissa - war Tessi. Sie hatte immer ein paar Gummibaerchen fuer Marissa und spielte gerne mit ihr.
Wir besuchten ein Gaucho Festival in der Naehe und waren die einzigen Touris weit und breit. Das war eines der Erlebnisse die wir nicht missen wollen. Einfach weil es so urspruenglich und "unverwaessert" war. Keine Touristenveranstaltung sondern ein Fest von und fuer die Gauchos der Umgebung. Marissa war angetan von den vielen Pferden.
 Gaucho Wir machten auch einen Ausflug nach Cordoba, waren aber von der Stadt nicht wirklich beeindruckt. Generell merkt man Argentinien an, dass es stark unter der Inflation leidet und im Vergleich zum Nachbarn Chile mehr mit Armut und Kriminalitaet zu kaempfen hat. Die Preise fuer Gemuese und Fleisch sind zum Beispiel im vergangenen Jahr um 200 % gestiegen. Vor zwei Jahren konnte Ralf noch drei grosse Gasflaschen fuer 200 Pesos kaufen. Heute kostet eine 300 Pesos.
Es wurde Zeit weiterzufahren. So ging es nach Mendoza. Mendoza ist die Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz und hat mitsamt ihrer Vororte etwa 1,1 Millionen Einwohner. Sie ist bekannt für ihren Weinbau. Die Stadt wurde 1561 von Pedro del Castillo gegründet und nach García Hurtado de Mendoza, dem Gouverneur von Chile benannt. Sie blieb aber lange eine unbedeutende Kleinstadt. Im Jahre 1817 brach General José de San Martín, seit 1813 Gouverneur von Cuyo, in Las Heras, Mendoza, mit seiner Revolutionsarmee auf, um die Anden zu überqueren und für die Befreiung Chiles und Perus von der Kolonialherrschaft zu kämpfen. Am 20. März 1861 zerstörte ein Erdbeben die Stadt vollständig, so dass heute aus der Kolonialzeit nur noch die Ruinen der Kirche des Hl. Franziskus erhalten sind. Bei dem Beben mussten etwa 6.000 der 18.600 Einwohner, also rund ein Drittel der Bewohner, ihr Leben lassen. Zwei Jahre später wurde die Stadt erneut aufgebaut. Mendoza hatte am Ende des 19. Jahrhunderts eine Ackerbauschule, lebhaften Handel und 1882 wieder 18.200 Einwohner. Eine Eisenbahnlinie verbindet die Stadt seit 1884 mit Buenos Aires, ist aber seit dem Aufkommen des Busverkehrs in den 1960ern nicht mehr im Betrieb.
Vor allem Nicole wollte in Mendoza eines oder mehrere Weingueter besuchen. Leider war unser Timing schlecht. Wochenende und noch dazu Nebensaison. Viele wenn nicht alle waren geschlossen. Wir muessen wohl unsere Weinprobe woanders machen. Das ist einer der wenigen Nachteile, wenn man wie wir in der Nebensaison reist. Nicht alles ist geoeffnet und das sorgt manchmal fuer Enttaeuschung. Aber wir werden noch einige Hoehepunkte auf unserer Reise haben. Daher ist das nicht so schlimm.
Es ist Zeit, wieder nach Chile zu fahren. Von Mendoza fuhren wir ueber Portreillos, wo wir uebernachteten Richtung Chile. Auf dem Pass ueber die Anden zur Grenze kamen wir an dem kleinen Ort Puente del Inca auf 2720m vorbei. Weltbekannt ist der Ort durch die gleichnamige Puente del Inca (dt.: Brücke des Inkas), die sich am Rande der Ansiedlungen befindet. Anders als der Name vermuten lässt, ist die Brücke kein Bauwerk der Inkas, sondern ein durch Erosion natürlich gebildeter Bogen. Der Name kommt vielmehr von der Vermutung, die Inkas seien bis hierher vorgedrungen. Der natürliche Bogen spannt sich 47 Meter hoch und 28 Meter breit über den Río Mendoza. An der Puente entspringt auch eine heiße schwefelhaltige Quelle, die das Gestein rotgelb färbt. Dieser Umstand führte auch zur Errichtung eines Thermalbades, welches aber 1953 durch einen Erdrutsch zerstört wurde. Über den Weg durch die Überreste könnte man heute noch bis unter die Brücke gelangen, allerdings ist seit 2005 dieser Zugang wegen Einsturzgefahr bis auf Weiteres geschlossen.

Kurz nach Puente del Inca befindet sich die Grenze zu Chile, wo wir wieder die peniblen Durchsuchungen der chilenischen Zoellner ueber uns ergehen liesen. Ich warte noch darauf, dass einer der Jungs aufs Dach des Campers klettert um in die Dachbox zu schauen, weil man uns nicht glaubt dass wir dort nicht 500 kg frisches Gemuese zum Schmuggel versteckt haben. Aber die Prozedur ging schneller als erwartet ueber die Buehne und wir waren nach knapp einer Stunde wieder auf der Strasse unterwegs nach Santiago de Chile.
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